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FAQ oder Fragen zur Arbeit von trigon-film

Woher kommt trigon-film eigentlich? Was macht die Organisation? Womit ist sie in der täglichen Arbeit konfrontiert?

"Wir wollen mit unseren wunderbaren Filmen nicht ablenken, wir möchten hinlenken."

TB: Woher kommt eigentlich der Name «trigon-film»? Wofür steht er?

WR: trigon steht fürs Dreieck, und damit kann man jetzt natürlich Verschiedenes sehen. Auf der einen Seite hatte trigon-film in den 80er Jahren eine seiner Wurzeln in der Drittweltbewegung, in deren Namen aufscheint, dass es drei Welten geben würde. trigon-film suchte die Verbindungslinien zwischen den drei Welten, ausgehend von der Idee, dass wir eigentlich eine Welt sind. Ich mag mich an eine Unterzeile aus den Anfangsjahren erinnern, in der es wortspielerisch hiess: Filme für eine eine Welt. trigon steht aber für mich auch für das Dreieck zwischen einer Kultur, dem Film als Vermittler und den Zuschauenden. Das ist mir eigentlich wichtiger, denn ich selber finde den Drittweltbegriff sehr fragwürdig. Das ist ein überheblicher nordwestlicher Begriff, und ich arbeite eigentlich in einer Welt oder eben dafür, dass diese eine Welt auch eine Welt ist und: ganz wahrgenommen wird.

TB: 1987/88 wurde trigon-film gegründet. Gab es einen speziellen Anlass, der quasi als Initialzündung diente?

WR: Ich war damals als Kulturredaktor des Tages-Anzeigers an der Pressekonferenz und kannte den Gründer Bruno Jaeggi als Filmkritikerkollegen gut. Er war häufig unterwegs an Festivals und hat dabei - wie ich selber auch - immer wieder grossartige Filme gesehen, die in der Schweiz nicht ins Kino kamen. Er fand, das müsse sich ändern, und nachdem es ihm nicht gelungen war, existierende Verleiher davon zu überzeugen, einzelne Filme herauszubringen, hat er zunächst einen Verein, später die Stiftung gegründet, die sich um diese Aufgabe kümmern sollten. In den späteren 80er Jahren gab es laut schweizerischer Statistik keinen einzigen Film aus Afrika in den Kinos, es gab keine Filme aus Lateinamerika und aus Asien höchstens mal eine Kung-fu-Produktion oder einen Kurosawa. Da gab es also echt etwas zu tun.

TB: Was war eigentlich der Antrieb, einen Verleih (was an sich schon ein riskantes Unternehmen ist) für Filme aus Asien, Afrika und Lateinamerika zu gründen?

WR: Das war und ist der Wunsch, den kulturellen Reichtum dieser Welt in seiner Vielfalt bei uns sichtbar zu machen und wenigstens einige herausragende Werke von Filmschaffenden aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu vermitteln. Als Ausgleich zur Einheitskost, die immer ungesund ist, weil der Körper über sie zu wenig Nährstoffe erhält, zu einseitig ernährt wird.

TB: Das Kino ist eine Kunstform, die - da sehr aufwändig - immer mit ökonomischen Überlegungen konfrontiert ist. Wie beeinflusst das die Arbeit von trigon-film, welche ja Filme vertreibt, die niemals die Kasse machen können wie etwa grosse und intensiv beworbene Hollywood-Produktionen? Wie finanziert sich trigon-film?

WR: Zunächst: Es ist eine falsche Annahme, dass Filme des Südens und des Ostens niemals Kasse machen können. Es gibt mehrere Filme in der Kollektion von trigon-film, die 100'000 Eintritte machten und also sehr erfolgreich waren in der Schweiz. Aber es stimmt natürlich schon, dass es auch viele Filme gibt, die wie Filme des unabhängigen US-Kinos oder des europäischen Kinos 5'000 bis 10'000 Eintritte machen und damit kommerziell betrachtet nicht erfolgreich sind. Wir versuchen, uns um beide Varianten zu bemühen, sofern die Qualität stimmt, und schliesslich eine Mischrechnung zu machen, bei der die erfolgreichen Titel den kommerziell weniger attraktiven Titeln helfen. Der Grossteil ist Eigenfinanzierung. Daneben haben wir einen Förderverein, bei dem man als Mitglied einen jährlichen Beitrag zur Gewährung der kulturellen Vielfalt auf Leinwänden leisten kann, und wir erhalten weitere Unterstützung, um die Arbeit möglich zu machen, die wir leisten. Die wenigsten unserer Filme können von schweizerischen oder europäischen Vertriebs-Fördermassnahmen profitieren. Last but not least arbeitet trigon-film sehr kostenbewusst und mit einem Kleinstteam.

TB: Wie etwa handhabt die trigon-film die Zusammenarbeit mit den Kinobetreibern? Gibt es da spezielle Verträge, dass diese Filme in ihr Programm aufnehmen, die nicht gleich am ersten Wochenende rentieren?

WR: Nein. Wir arbeiten in dieser Hinsicht als ganz gewöhnlicher Filmverleiher, der mit den Kinos im Arthouse-Bereich in kontinuierlichem Kontakt ist und die Filme ganz normal herausbringt - das bedeutet auch: Wir stehen mit unseren teils kleinen, teils fragilen Filmen mitten im extrem kommerziellen Konkurrenzdruck, was die Arbeit natürlich nicht einfach macht. Es gibt im Kinobereich - anders als im Theater oder bei der Musik - viel zu wenige Schonräume für die anspruchsvollere Filmkultur. Der Druck der Unterhaltungsbranche ist in allen Kinos, die eine Mischprogrammation machen, enorm und tendenziell steigend. Das geht auf Kosten der Qualität.

TB: Wie erfolgreich ist demnach die trigon-film? Einerseits ist ja das trigon-film-Programm wohl nicht mehrheitsfähig, andererseits kann ja gerade das Bearbeiten einer Nische sich als besonders erfolgreich herausstellen.

WR: trigon-film ist in ihrer Arbeit erfolgreich insofern, als es uns in den letzten Jahren gelungen ist, das, was wir tun, auch zu finanzieren. Wir sind erfolgreich auch was das Publikum anbelangt, denn mit 170'000 bis 230'000 Eintritten in den letzten Jahren jährlich und bisher über 1,8 Millionen Eintritten insgesamt, darf man sicher von einem grossen Erfolg sprechen. Darüber hinaus werden unsere Filmkopien europaweit gebraucht in Ländern, in denen für einzelne Titel kein Verleiher existiert.

Mehrheitsfähigkeit ist für mich kein erstrebenswertes Ziel, wenn es heisst, dass ich das Programm so gestalten muss, dass die Mehrheit es konsumiert. Aber ich freue mich natürlich, wenn ein so grossartiger und anspruchsvoller Film wie "Yi Yi" vom Taiwanesen Edward Yang in der Schweiz 55'000 Eintritte verzeichnet. Dann haben wir eine Mehrheit erreicht, die ich qualitativ betrachten würde und nicht quantitativ. "Eat shit, 800 billion flies can't be wrong" - das ist fürwahr nicht unser Ziel. Wir bieten Delikatessen und freuen uns, wenn sie von vielen geschätzt werden.

TB: Unterdessen hat trigon-film ja auch nach Deutschland und Oesterreich expandiert. Trotzdem assoziiert man meines Erachtens trigon-film stark mit der Schweiz. Ist die Schweiz ein Land, dessen Kinogänger besonders offen sind, für Film, wie sie trigon-film verleiht?

WR: Expandiert ist ein Marktwort. Wir haben in Deutschland und in Österreich Zweigstellen aus dem einfachen Grund, dass uns aus diesen beiden Ländern permanent Anfragen erreichen für Filme, die wir in der Kollektion haben, die aber dort nicht greifbar sind. Weil zu den Mietkosten der Kopien noch Rechtekosten und vor allem immense Transportkosten dazukommen, war es Spielstellen häufig zu teuer, die Filme zu zeigen. Also haben wir nach Lösungen gesucht, bei denen wir vor Ort jene Filme zu normalen Konditionen anbieten können, die nicht im jeweiligen Verleihangebot sind. Mit demselben Grundgedanken wie in der Schweiz: Wir möchten, dass möglichst viele herausragende Filme des Südens und des Ostens von möglichst vielen Menschen gesehen werden können. Das sind wir den Filmschaffenden schuldig, die uns mit ihren wunderbaren Geschichten bereichern.

Was die Schweiz anbelangt, so darf man ohne falsche Scham sagen, dass ihr Publikum im europäischen Vergleich sehr gut dasteht. Anders als etwa in Deutschland, wo der Arthouse-Bereich einen arg ruinierten Eindruck hinterlässt und es sehr schwierig ist, kleinere Filme sichtbar zu machen, existieren in der Schweuz tatsächlich noch Strukturen durch Programmkinos und auch kulturell bewusste Kinoleute, die ein vielfältiges Angebot ermöglichen und umgekehrt eben auch ein Publikum haben und pflegen, das dies zu schätzen weiss.

TB: trigon-film hat - wie kaum ein Verleiher sonst - eine eigene Identität; es gibt den «trigon-film». Bei den anderen Verleihern ist ein solches «Gesicht» nicht auszumachen. Wodurch zeichnet sich der "typische" (wenn es so etwas überhaupt gibt) «trigon-film» aus?

WR: Danke für diese Feststellung! Es war mir, seit ich 1999 die Verantwortung für trigon-film übernommen habe, tatsächlich ein zentrales Anliegen, dass der Name als so etwas wie ein Qualitätslabel wahrgenommen wird und zwar ganz einfach für herausragendes Filmschaffen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Wir sind und merken dies tagtäglich, die erste Anlaufstelle für Fragen des Kinos im Süden und Osten.

Natürlich hat sich dank der Initiative der trigon-film-GründerInnen einiges verändert im Filmangebot in der Schweiz, auch andere Verleiher sind auf den Geschmack gekommen und selbst die US-Majors bringen heute Filme aus Asien und Lateinamerika heraus. Unter diesen Titeln finden sich mitunter durchaus gute und interessante Produktionen, aber in der Tendenz geht es den meisten ums kommerzielle Kino, das bedeutet häufig um ein Kino, das eher den grössten gemeinsamen Nenner sucht und weniger den Anspruch hat, authentische, vor Ort verwurzelte Geschichten zu vermitteln und andere Formen des Erzählens. Ich glaube nicht, dass man heute vom "typischen trigon-film" reden kann, denn ich habe versucht, das Spektrum zu öffnen und auch gut gemachte Unterhaltungsfilme aus Indien, Brasilien oder Mexiko ins Programm aufzunehmen als herausragende Beispiele eines Aspekts des dortigen Filmschaffens.

Wenn es Typisches gibt, für was das Label trigon-film steht, dann sicher der Anspruch an die Qualität eines Filmes, egal woher er kommt, die Idee, authentisches Filmschaffen zu vermitteln, andere Formen, andere Inhalte auch, kritische Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Prozessen mitunter und genauso wie philosophische Ansätze. Und ganz grundsätzlich einfach die Vielfalt und den kulturellen Reichtum dieses Planeten sichtbar zu machen. Im Kino dominiert der finanzielle Reichtum, da ist es wichtig, dass auch noch anderes zu sehen ist, wenn man wie ich davon ausgeht, dass Film ein Kulturgut ist und eine Kunstform.

TB: Diese Identität des Verleihs und konstante Qualität seiner Filme ist ja wohl nur durch eine intensiv überlegte Auswahl zu erreichen. Wie geht so eine Auswahl vonstatten? Was sind die Überlegungen, welche angestellt werden?

WR: Für mich spielen Kopf und Herz eine entscheidende Rolle. Und die beiden spielen zusammen. Das heisst: Wenn ich in einem Film sitze und das Herz höher schlägt, dann möchte ich diese Emotion gerne weitervermitteln. Entstehen kann sie, weil mir ein Film wie etwa die Bollywoodproduktion "Lagaan" ganz einfach gefällt und ich in diesem Fall davon ausgehe, dass viele Leute diese Art von populärem Kino ganz einfach nicht kennen. Herzklopfen kann aber auch eine intellektuelle Angelegenheit sein, wenn mich ein Film weiterbringt in meiner eigenen Erfahrung von Leben oder, bei Filmen des Südens und Ostens häufig der Fall, in meinem Sein. Das heisst, philosophische, existenzielle Fragen wie sie ein koreanischer Film wie "Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach" von Bae Yong-kyun aufwirft, bewegen mich genauso wie emotionale. Und die simple Idee, die starke Erfahrung bei Betrachten eines Filmes weiter zu vermitteln, hält mich auf Trab. Als Cinéphiler, der tausende von Filmen gesehen hat und einige von ihnen immer wieder anschaut, stelle ich heute fest, dass aus dem Kino Lateinamerikas und Fernostasiens heute die grössten Impulse kommen und dort filmsprachlich die spannendsten Dinge passieren. Auch das versuchen wir anhand von ausgewählten Beispielen sichtbar zu machen.

TB: Wie hält man Kontakt zu «exotischen» Filmproduktionsstätten wie Kasachstan oder Tunesien? trigon-film musste all diese Kontakte wohl eigens aufbauen.

WR: trigon-film ist ein weltweit bekannter Name, über dessen guten Ruf ich am Anfang selber erstaunt war. Heute staune ich nicht mehr, wenn mich in Tokyo, Rio oder Havanna jemand, der mit Film zu tun hat, anspricht und sagt: "Ah, trigon-film, kenne ich." Das war eine lange und intensive Aufbauarbeit, die Bruno Jaeggi geleistet hat und die ich mit grosser Lust und Freude weiter pflege. Exotisch ist das für uns schon lange nicht mehr, mir jedenfalls kommt es viel exotischer vor, mit einem US-Amerikaner zu plaudern als mit einem Kirgisen (wobei ich sogleich anfügen muss, dass ich zu vielen US-AmerikanerInnen sehr gute Kontakte habe - man kann sie ja nicht alle verantwortlich machen für die desaströse, Kulturen verachtende Politik ihrer aktuellen Administration).

TB: Daran anschliessend stellt sich die Frage, wie dieser Kontakt sich herstellt, bei Filmen, die etwa sehr kritisch mit dem eigenen Herstellungsland umgehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es da einige Filmemacher gibnt, welche von ihrem Staat kaum Unterstützung kriegen und auch die trigon-film wird da von offizieller Seite vielleicht eher Steine in den Weg gelegt, als unterstützt.

WR: In der Regel wird die Kunst als Raum für freie Ausdrucksformen respektiert. Es gibt allerdings Länder wie zum Beispiel die Schweiz, deren PolitikerInnen Kunst vermittelnde Organisationen oder Kunstschaffende allgemein bestrafen, wenn ihnen ein einzelner Künstler, eine Künstlerin nicht passt. Zum Glück sind das eher Ausnahmen. Im Filmbereich hat die Digitalisierung dazu geführt, dass ein Staat kaum noch überblicken kann, was auf seinem Territorium gefilmt wird und wie es verbreitet wird. Es gab bei einzelnen chinesischen Filmen vor ein paar Jahren Verzögerungen oder Eingriffe von Zensurstellen, aber in unserer Arbeit haben wir da kaum Probleme. Die einzige konkrete und massive Attacke, die ich in meiner Direktionszeit erlebt habe, kam von jüdischer Seite (nicht von israelischer), weil ich mich, danach gefragt, dafür ausgesprochen hatte, dass ein israelkritischer palästinenischer Film an einem Schweizer Festval gezeigt werden darf. Film ist nun mal ein Medium, das etwas mit Wahrnehmung von Wirklichkeiten zu tun hat, und da gibt es dann immer mal wieder Leute, die gewisse Aspekte von Wirklichkeit nicht sehen wollen oder andere Sichten auf Wirklichkeiten verhindern wollen. Das macht man eigentlich nur, wenn man sich seiner Sache nicht sicher ist.

TB: Inwiefern ist somit die Verleiharbeit der trigon-film auch eine politische Angelegenheit? Einerseits was die Schweiz betrifft, wenn man dort versucht über Filme ein Bewusstsein für unbekannte Gegenden und deren Problematiken zu wecken. Andererseits aber auch was die Herstellungsländer betrifft.

WR: Jegliche Kulturarbeit ist auch eine politische Angelegenheit, wenn man davon ausgeht, dass Kultur etwas ist, was den Menschen in seinem Menschsein betrachten, beflügeln, in Frage stellen und damit weiterbringen will und kann. Es gibt überall auf der Welt Fundamentalisten, die die Wahrheit für sich gepachtet haben und das Andere scheuen. Das ist kein Ausdruck von gesundem Selbstbewusstsein oder grosser Selbstsicherheit, aber sie wehren sich mit allen möglichen Mitteln dagegen, dass andere Sichten von Wahrheit festgehalten oder gezeigt werden.

Wir gehen in unserer Arbeit davon aus, dass nur die Begegnung mit dem Anderen uns einander näher bringt, dass über das Kennenlernen das Verstehen wächst und damit die Distanzen kleiner werden. Je näher man sich kommt, desto fairer geht man miteinander um - les absents ont toujours tort. Also ja, Kulturvermittlung ist eine eminent politische Tätigkeit. Sie trägt zur Völkerverständigung bei und damit zu einer friedlicheren Welt. Da wir heute aufgrund fundamentalistischen Verhaltens auf verschiedenen Seiten wieder weiter denn je von einem friedlichen Zusammensein entfernt sind, ist die kulturelle Vermittlungsarbeit wichtiger denn je. Schliesslich wollen Menschen nicht nur dann wahrgenommen werden, wenn sie Opfer von Katastrophen sind, die die Medien bei uns marktmässig einträglich genug finden.

TB: Was ist das Erfreulichste an der Verleiharbeit der trigon-film und umgekehrt: welche Frustrationen birgt sie?

WR: Das Erfreulichste sind all die Begegnungen mit Filmschaffenden aus so vielen Kulturen einerseits und die vielfältigen Reaktionen, die wir mit unserer Arbeit von Leuten erhalten, die diese Begegnungen im Kino miterleben können, teilen und schätzen. Frustrationen gibt es durch die Ungeduld unserer Zeit, in der ein Film nach seinen Einspielergebnissen der ersten vier Tage gemessen wird und nicht nach der Qualität der Publikumsreaktionen. Die Mentalität des gigantischen Startwochenendes haben wir den Medienkonglomeraten der USA zu verdanken, die in den ersten vier Tagen möglichst viele Leute im Kino haben müssen, damit diese einander nicht erzählen können, was für ein Schwachsinn da wieder auf sie losgelassen wurde. Kino ist für diese Leute eine Geldmaschine und nichts anderes. Der US-Regisseur Sydney Pollack hat das mal auf den kurzen Nenner gebracht: "The American Cinema has to serve economic demands."

Frustrierend ist es im Übrigen auch, mit ansehen zu müssen, dass unsere Medien genau dieser Devise inzwischen folgen und im Filmbereich entweder kaum noch sehfähige und entdeckungsfreudige JournalistInnen beschäftigen oder diese nötigen, über Skandale zu schreiben, die Wäsche von Stars oder auf den Wellen zu reiten, die von der Filmindustrie selber ausgelöst werden. Es fehlt die subversive Lust daran, die Leserinnen und Leser auf das nicht Alltägliche aufmerksam zu machen und selber Akzente zu setzen, die nicht zwingend in Einklang stehen mit den Interessen der Inserateabteilungen.

TB: Ist das Gebiet, aus welchem trigon-film Filme verleiht, ein mehr oder weniger klar umgrenztes oder verändert sich das laufend? Wäre es etwa auch denkbar, dass trigon-film einen unabhängigen Film aus Nordamerika verleihen würde?

WR: Die Stiftung trigon-film wurde gegründet, um sehenswerte Filme aus Afrika, Asien und Lateinamerika in die Kinos zu bringen und später auch für den Heimgebrauch auf Video oder DVD nutzbar zu machen. Das ist ihr Zweck, dafür engagieren wir uns nach wie vor und sind einzigartig weltweit. Ausnahmen kann es dort geben, wo wir feststellen, dass niemand sich um einen wichtigen Film kümmert, der ein Thema behandelt, das mit unseren Anliegen verwandt ist. Im Kern geht es ja um die Vermittlung von Kunstwerken aus Kulturen, die bei uns immer noch viel zu wenig präsent sind.

TB: trigon-film kann nicht in der gleichen Art PR für ihre Filme betreiben wie bereits erwähnte Grossproduktionen. Ich denke dabei etwa an Plakate oder Anzeigen. Dafür gibt trigon-film eine eigene, aufwändig gemachte Zeitschrift heraus. Ist der Unterschied in der PR eher ein Problem oder auch eine Chance oder vielleicht von beidem etwas?

WR: Unser Jahresbudget, mit dem wir bis zu 20 Filme herausbringen und alle Kosten decken (inkl. Personal), entspricht etwa dem Werbebudget von einem bis maximal zwei US-Grossproduktionen für die Lancierung allein in der Schweiz. Das ist eine Realität des Filmmarktes, über die ich mich nicht beklagen möchte, denn ich investiere meine Energie lieber darin, mich vertiefend mit Filmen auseinanderzusetzen. Zum Beispiel in unserem Magazin, das viermal jährlich erscheint und ja nicht zuletzt so etwas wie Pflege eines Publikums versucht. Wir wollen mit unseren bescheidenen Werbemassnahmen nicht verführen, wir möchten vertiefen und anregen. Und wir wollen mit unseren wunderbaren Filmen nicht ablenken, wir möchten hinlenken.

TB: Haben sich in Ihrer Sicht das Verhältnis des Publikums zu "exotischen" Filmen geändert im Laufe der bald zwanzigjährigen Arbeit von trigon-film? Sind die ZuschauerInnen offener oder spüren Sie auch eher wieder einen Rückgang zum Massenkonsum?

WR: Grundsätzlich hat es immer beides gegeben im Kino, den Massenkonsum und das Wahrnehmen von Ausgewählterem. Das erachte ich als gut und sinnvoll, das bedeutet dort, wo die Kinobranche damit umzugehen versteht, auch ein Ergänzen und ein wirtschaftliches Überleben des Ganzen. Problematisch geworden ist heute eher die Masse des Angebots, denn auch als aufmerksamer Kulturgänger, als interessierte Kulturgeniesserin kann man mitunter kaum noch entscheiden, was man sich ansehen soll. Nicht, dass es heute mehr Sehenswertes gäbe, eher im Gegenteil, aber es fehlt an der klareren Auswahl.

Es gibt, nicht nur im kommerziellen, auch im Arthousefilmbereich zu viele Filme, die einander das Leben unnötig schwer machen. Und es gibt, das ist gesellschaftlich auf die Dauer verhängnisvoll, zu wenige Medien, die noch so etwas wie eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung mit Filmen pflegen, in der jemand seine Gedanken zu einem Film bündelt und auch über die dazu notwendige fachliche wie sprachliche Kompetenz verfügt. Positiv gesehen, denn ich klage eigentlich nicht gerne, bedeutet das einfach eine wunderbare Herausforderung an jene, die Kultur vermitteln, denn sie müssen ihre Werke pflegen und umso besser begleiten.


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