Mit traumhaft schönen Bildern und im Erzählstil von 1001 Nacht beschwört der orientalische Märchenerzähler Nacer Khemir die Blütezeit der andalusisch-arabischen Hochkultur. An das weltberühmte mittelalterliche Buch "Das Halsband der Taube - von der Liebe und den Liebenden" erinnernd, schildert der Tunesier kontrastreiche Facetten der Liebe, für die allein die arabische Sprache sechzig Begriffe kennt. Dabei schafft die Geschichte von Hassan, der bei einem Meister Kalligraphie erlernt, den Rahmen für geschmeidig verknüpfte Episoden. Aus ihnen kristallisiert sich der magische Bann der Prinzessin von Samarkand heraus, deren Bild Hassan auf einer versengten Buchseite mit sich trägt. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit, in der Dschinns (Geister) und Visionen noch real waren. In seiner Welt entdecken wir das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen, Religionen und Lebensformen.
Er gehört zu den grossen Erzählern von kleinen Geschichten, der Tunesier Nacer Khemir, der noch immer in alter Tradition unterwegs ist und in seinen Schilderungen schwebend leicht pendelt zwischen dem Gewesenen und dem Erdachten. Wenn er einen Griffel zur Hand nimmt, dann zeichnet es gleichsam aus seiner Feder, bilden sich Bilder aus so alltäglichen Dingen wie Buchstaben. Die Schrift ist in der arabischen Welt noch immer auch eine Zierde. Wie seine Bücher folgen auch seine Filme Spuren des Lebens genauso wie Spuren der Phantasie, wie sie aus dem Leben wächst. Einem Magier gleich zaubert er seine Figuren auf die weisse Leinwand, lässt er sie wandeln durch einen Raum, der von der Zeit losgelöst scheint. Hassan, die Hauptfigur im "Verlorenen Halsband der Taube", ist auf einer Suche, und seine Suche ist Sinnbild für das Leben überhaupt. Nacer Khemir spricht von der Verliebtheit, die dem Leben erst das Ziel gibt, von der Passion, die Triebfeder sein kann für alles, was man tut.
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Mit traumhaft schönen Bildern und im Erzählstil von 1001 Nacht beschwört der orientalische Märchenerzähler Nacer Khemir die Blütezeit der andalusisch-arabischen Hochkultur. An das weltberühmte mittelalterliche Buch "Das Halsband der Taube - von der Liebe und den Liebenden" erinnernd, schildert der Tunesier kontrastreiche Facetten der Liebe, für die allein die arabische Sprache sechzig Begriffe kennt. Dabei schafft die Geschichte von Hassan, der bei einem Meister Kalligraphie erlernt, den Rahmen für geschmeidig verknüpfte Episoden. Aus ihnen kristallisiert sich der magische Bann der Prinzessin von Samarkand heraus, deren Bild Hassan auf einer versengten Buchseite mit sich trägt. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit, in der Dschinns (Geister) und Visionen noch real waren. In seiner Welt entdecken wir das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen, Religionen und Lebensformen.
Er gehört zu den grossen Erzählern von kleinen Geschichten, der Tunesier Nacer Khemir, der noch immer in alter Tradition unterwegs ist und in seinen Schilderungen schwebend leicht pendelt zwischen dem Gewesenen und dem Erdachten. Wenn er einen Griffel zur Hand nimmt, dann zeichnet es gleichsam aus seiner Feder, bilden sich Bilder aus so alltäglichen Dingen wie Buchstaben. Die Schrift ist in der arabischen Welt noch immer auch eine Zierde. Wie seine Bücher folgen auch seine Filme Spuren des Lebens genauso wie Spuren der Phantasie, wie sie aus dem Leben wächst. Einem Magier gleich zaubert er seine Figuren auf die weisse Leinwand, lässt er sie wandeln durch einen Raum, der von der Zeit losgelöst scheint. Hassan, die Hauptfigur im "Verlorenen Halsband der Taube", ist auf einer Suche, und seine Suche ist Sinnbild für das Leben überhaupt. Nacer Khemir spricht von der Verliebtheit, die dem Leben erst das Ziel gibt, von der Passion, die Triebfeder sein kann für alles, was man tut. Ausgangspunkt für seinen zweiten Spielfilm war ein im arabischen Sprachraum berühmtes Buch, von dem er in Motiven sich vorwärts bewegt. Wunderschön sind die Bilder, traumhaft die Landschaften, märchenhaft die Figuren, die sich darin bewegen. Das Leben erscheint als Ornament, der Kaligraph ist der Meister der Form, die das Leben gewinnen kann, wenn es in Worte gefasst wird, oder gekleidet besser. Die Liebe, das macht Khemir deutlich, ist letztlich das, was zählt, und die Liebe kennt ganz unterschiedliche Spielformen. Wie wichtig sie ist, erkennt man allein an den zahlreichen Begriffen, die die arabische Sprache für sie kennt. Nacer Khemir hat seinen ersten Spielfilm "Les baliseurs du désert" der "andalusischen Grossmutter" gewidmet, der Vergangenheit, der Tradition, der Brücke zwischen Orient und Okzident. Dort wie hier in «Le collier perdu de la colombe» bringt er uns ein Stück arabische Märchenkultur näher, indem er sie lebt.
Walter Ruggle